Diagnostik

Die akute Nebenhöhlenentzündung / Sinusitis ist für den geübten HNO – Arzt eine einfache Übung. Er erkennt meist auf den ersten Blick die Nasennebenhöhlenentzündung.

Nach der ausführlichen Anamnese des Hals-Nasen-Ohrenarztes folgt die genaue Inspektion der oberen Luftwege. Dazu gehören die vordere und hintere Rhinoskopie und die Spiegelung des Kehlkopfes. Dabei sieht man in der Nase stark angeschwollene Schleimhäute und je nach Befund wässriges, schleimiges oder eitriges Sekret. Sollten Nasenpolypen vorhanden sein, können diese die komplette Nasenhaupthöhle verlegen.

Klassische Untersuchung der Nase und der Nasennebenhöhlen

Sollte die Nase so stark zugeschwollen sein, dass man gar nichts mehr erkennt, bedient sich der HNO – Arzt eventuell eines kleinen Tricks, indem er eine so genannte „hohe Einlage“ durchführt. Eine „hohe Einlage“ ist eine kleine, mit Nasenspray getränkte Mullkompresse, die sanft mittels Pinzette in den unteren oder mittleren Nasengang gelegt wird.

Diese ist vor allem bei unklaren Befunden eine enorme Hilfe, da nach ca. 10 Minuten die Nasenschleimhäute komplett abgeschwollen sind. Gleichzeitig hat sie auch einen therapeutischen Effekt, da bei exakter Platzierung der Eingang zu den Nasennebenhöhlen freigelegt wird und Sekret abfließen kann.

Danach kann man mit Hilfe kleinster Endoskope das Innere der Nase, die Nasenschleimhäute und zum Teil auch die Nasennebenhöhlen untersuchen.

Nach der vorderen Nasenendoskopie wird bei Bedarf auch der Nasenrachen mit dem hinteren Naseneingang untersucht. Dies geschieht ebenfalls mit einem Endoskop, welches durch den Mund bis in den Rachen geführt wird. Die Biegung der optischen Achse (70° oder 90° Optiken) erlauben dann die Inspektion des Nasenrachens (Epipharynx). Auch dort können sich Polypen aufhalten. Diese bezeichnet man als Choanalpolypen. Oft erkennt man aber eine Schleimstraße im Rachen- und Nasenrachenbereich.

Sonographie der Nasennebenhöhle
Nach der Anamnese und der klassischen HNO Untersuchung ist bei unklaren akuten oder chronischen Befunden eine Sonographie des Nasennebenhöhlensystems eventuell sinnvoll. Dem HNO Arzt stehen meist zwei Ultraschall – Verfahren zur Verfügung: Die A – und die B- Mode Sonographie. Der moderne B-Scan Ultraschall mit seiner phantastischen Auflösung verdrängt bisher nicht  die Röntgenaufnahme des Nasennebenhöhlensystems.

Die Bilder sind mittlerweile so klar, dass man einzelne Polypen und Zysten in der Kieferhöhle oder der Stirnhöhle erkennen kann.  Leider ist das Verfahren nur in geübten Händen zuverlässig und bietet eine ausreichende diagnostische Sicherheit. Als primäres Diagnosemittel oder auch eine Verlaufsbeobachtung wird damit nicht empfohlen.

Gerade im Kindesalter sollte man dieses Verfahren wählen, da es keine Strahlenbelastung verursacht.

Röntgenaufnahme und Computertomographie
Bei manchen Befunden ist und bleibt die Röntgenaufnahme der Nasennebenhöhlen das Mittel der Wahl. Die Strahlenbelastung ist vertretbar und ein Röntgengerät ist in vielen HNO Praxen noch vorhanden. Diese sind aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen auch stets auf dem neuesten Stand und absolut sicher – auch wenn der eine oder andere Röntgenaparat etwas älter aussehen sollte.

Vor allem bei der chronischen Sinusitis und bei Komplikationen der akuten Nebenhöhlenentzündung muss eine Computertomographie des Gesichtsschädels durchgeführt werden. Das geschieht beim Radiologen auf Überweisung. Eine Kernspintomographie hat zwar keine Strahlenbelastung, die Darstellung der knöchernen Strukturen ist aber leider nicht optimal.

Kernspintomographie der Nasennebenhöhlen

Eine segensreiche Entdeckung ist die Kernspintomographie, die bekanntlich ohne Strahlenbelastung auskommt. Aber bei der Diagnostik der Nasennebenhöhlen kommt es stark auf die Knochenstrukturen an und gerade die werden in der Kernspintomographie nicht optimal dargestellt. Deshalb ist dieses Mittel vor allem für Kinder und Jugendliche vorgesehen. Erst wenn dort eine chronische Sinusitis entdeckt wird, sollte eine Computertomographie erfolgen.

Manche Betroffene leiden auch nach einer Operation unter wiederkehrenden Beschwerden der Nasennebenhöhlen. Auch hier eignet sich das Verfahren zur Verlaufskontrolle, um hohe Belastungen für den Patienten zu ersparen.

Sonstige weiterführenden Untersuchungen
Im Einzelfall können weiterführende Untersuchungen nützlich sein.
Heilt eine Nasennebenhöhlenentzündung nicht ab, so kann eine Abstrichuntersuchung nützlich sein.

Das gewonnene Material wird ins Labor geschickt und auf Bakterien oder Pilze untersucht. Nach einigen Tagen erhält man dann den Namen des Verursachers und welche Medikamente (Antibiotika) dagegen wirken. Mit diesem Ergebnis kann dann eine gezielte antibiotische Therapie gestartet werden.

Um den Schweregrad einer Entzündung festzustellen, erfolgt bei sehr starken Entzündungen eine Blutanalyse.
Hat man den Verdacht auf ein allergisches Geschehen, dann sollte ein Allergietest durchgeführt werden. Neben dem klassischen Pricktest und dem Bluttest sind Provokationstests der Nasenschleimhäute hilfreich.

Als die HNO Heilkunde noch nicht die diagnostischen Möglichkeiten von heute besaß, führte man oft eine starre Endoskopie der Kieferhöhle durch. Unter lokaler Betäubung wurde ein Trokar durch den unteren Nasengang in die Kieferhöhle eingeführt und eine Kieferhöhlenspülung durchgeführt. Aufgrund moderner Antibiotika ist dieses diagnostische und therpeutische Schmuckstück nur noch selten notwendig.

Bei Tumorverdacht kann auch eine Probe aus dem Gewebe genommen werden und histologisch untersucht werden.