Probleme mit der HWS können Schmerzen im Gesicht auslösen

Schmerzen im Gesicht im Rahmen eines Infektes sind oft sichere Anzeichen für eine akute Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis). Fehlen jedoch die typischen Entzündungszeichen muss weiter gesucht werden. Neben Problemen mit den Zähnen, dem Kiefergelenk oder Trigeminus sind in manchen Fällen auch Beschwerden mit der Halswirbelsäule (HWS) für Gesichtsschmerzen verantwortlich.

Ein Hals- Nasen- Ohrenarzt aus dem Großraum Hannover führte dazu eine Beobachtungsstudie durch, die vor bereits 2 Jahren in der Zeitschrift „Manuelle Medizin“ veröffentlicht wurde.

Er stellte fest, dass sogar in den meisten Fällen um Beschwerden mit der Halswirbelsäule handele. Insgesamt untersuchte er 57 Patienten, die mit der Verdachtsdiagnose Sinusitis ohne weitere Symptome zu ihm geschickt wurden. Ein viertel der Patienten wurde mit bis zu drei verschiedenen Antibiotika behandelt.

Der ausgebildete Manualtherapeut führte nicht nur eine normale HNO ärztliche Untersuchung durch, sondern untersuchte auch die Halswirbelsäule und die Muskulatur auf eventuelle Probleme.

17 Prozent der Betroffenen litten wirklich unter einer Sinusitis, die übrigen 83 Prozent hatten Probleme mit der HWS oder der Halsmuskulatur. Die Krankheitsdauer dauerte in diesen Fällen bis zu 16 Wochen.

Mit entsprechenden Übungen konnte bei 70 Prozent der Betroffenen eine Besserung der Beschwerden erzielt werden.

Mein Kommentar:

Die Studie ist selbstverständlich nicht repräsentativ für das normale Klientel in einer HNO Praxis und auch nicht durch „harte Fakten“ richtig unterlegt. Der Kollege ist auf die Behandlung von HWS Beschwerden spezialisiert und wird allein aus diesem Grund mehr Patienten mit diesen Problemen anziehen.

Man sollte den Gedanken des Gesichtsschmerz, der durch Probleme mit der HWS ausgelöst wird, nicht zu weit verlegen. Immer wieder kommt es vor, dass Patienten einen unauffälligen HNO Status haben und trotzdem unter Schmerzen im Gesicht leiden.

Hier ist nun der Sherlock Holmes oder Dr. House in einem jeden HNO Arzt gefragt. Nachdem ein Problem in HNO Bereich ausgeschlossen ist, sollte auf jeden Fall noch eine neurologische, manualtherapeutische oder orthopädische Abklärung erfolgen. Auch der Zahnarzt sollte bei unklaren Gesichtsschmerzen befragt werden.

Letztendlich ist es aber der Hals- Nasen- Ohrenarzt, der zuerst konsultiert werden sollte. Er ist der Fachmann und hat die notwendige Ausstattung und Erfahrung die Ursachen schnell und sicher zu diagnostizieren. Wenden sie sich daher vertrauensvoll an ihren HNO Arzt.

Quelle:
D. Ullrich, Wedemark: Zervikogene Kopfschmerzen können eine akute Sinusitis imitieren – Wirksamkeit eigenverantwortlich durchgeführter physikalischer Therapiemaßnahmen
Zeitschrift: Manuelle Medizin 2009/3
1.6.2009 Springer Medizin Verlag (2009)

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